Ausflug Ahmedabad mit Hochzeit, erste Hilfe Einsatz und indische Post

Hallo zusammen.

Und schon wieder ist ein Monat vergangen seitdem ich mich zum letzten Mal gemeldet habe.

Wie ja schon im letzten Travel Report erwähnt, habe ich ja für die letzten 2 Monate die Wohnung gewechselt. An der Infrastruktur und an den Mitbewohner gibt es ja überhaupt nichts auszusetzen, aber die Sauberkeit lässt ein wenig zu wünschen übrig. Ich habe jedenfalls zum Beispiel am ersten freien Tag mal den Kühlschrank enteist. Wir haben hier so ein Kombigerät mit einem zusätzlichen Gefrierfach. Dieses Fach konnte leider nicht mehr gebraucht werden. Das ganze Fach war nämlich zugefroren. –> Ich musste rund 10kg Eis entfernen (wenn nicht mehr).

Am 16.12 waren Juliane (eine Trainee aus Hamburg) und ich zu einer Hochzeit in Ahmedabad eingeladen. Juliane ist ein aktives AIESEC-Mitglied und so kannte sie Hetvi, welche dieses Jahr ein Traineeship in Hamburg machte. Ahmedabad liegt nur etwa 120km nördlich von Baroda und so liegt es auf der Hand, dass wir für diese Strecke den Bus nahmen. Es war ja auch der gleiche Bus den Pia und ich für die Reise nach Udaipur brauchten. Das war auch gut so, weil ich schon das letzte Mal der Verdacht hatte, dass im gesamten Busbahnhof mit rund 30 Bussen pro Stunde kein einziges Wort auf English geschrieben ist! Zum Glück wusste ich ja jetzt wo wir für die Tickets anstehen mussten. Im Bus selber habe ich wieder einmal festgestellt, wie kreativ die Inder mit schaffen von Arbeitsplätzen sind. Es ist doch immer schön wenn man als Berufsbezeichnung „Rückspiegelersatz“ angeben kann. Die Busse hier haben in der Regel gar keinen Rückspiegel. Also schaut halt jemand auf der rechten Seite (Linkverkehr!) und informiert den Fahrer über ein Seil-Glockensystem den Fahrer über die aktuelle Verkehrslage.

Ahmedabad ist die 8 grösste Stadt Indiens und von daher war es auch nicht erstaunlich, dass wir nicht unbedingt so genau wussten wo wir eigentlich hin mussten. Hetvi sagte uns, dass wir dem Rikschafahrer einfach „TV Tower“ sagen sollen und von da ist es dann nicht mehr so weit. Leider mussten wir feststellen, dass die Rikschafahrer dies auch nicht so unbedingt kennen. Glücklicherweise half uns dann ein Inder und erklärte dem Rikschafahrer nicht nur den Weg sondern teilte mit uns gerade auch eine Rikscha sodass wir den Fahrpreis teilen konnten.

Heia selber ist eine richtige Powerwoman und für indische Verhältnisse sehr westlich orientiert. Jeans sind für sie zum Beispiel überhaupt nichts mehr besonderes.

Bis 3 Wochen nach diesem Ausflug glaubte ich, dass ich die eigentliche Hochzeit miterlebte. Es waren aber „nur“ die Vorbereitungen zur Hochzeit welche sich über rund 10 Tage erstrecken. Trotzdem waren am Samstagabend und Sonntagmorgen/Mittag über 100 Personen anwesend und die wollen natürlich versorgt sein. Bemerkenswert war auch die Tatsache, dass die anwesenden Gäste ein Trinkgeld für ihre Anwesenheit bekamen.

Der Sonntagabend war dann für den Vorhochzeitsstreich reserviert. Alle Familienmitglieder des Bräutigams von derselben Generation oder Jünger gingen ohne Vorwarnung zur Familie der Braut. Das machte so ungefähr 20 Personen. Der Sinn und Zweck der ganzen Aktion war einzig und alleine von der Familie teils unmögliche Sachen, Dinge zu verlangen. Zum Beispiel:

Sie wollten zuerst mal auf die Dachterrasse, aber dafür wollten sie die Treppe nicht nehmen. Daher fragten sie nach einem Aufzug obschon das Haus keinen Aufzug hat.

Die ganze Sache ging dann über eine Stunde so weiter.

Was mich dabei erstaunte, wie gelassen die Familie diesen „Überfall“ ertrug. Sie waren gar nicht verärgert. Nein im Gegenteil, sie amüsierten sich auch.

Die Rückfahrt selber war auch wieder einmal Indien pur. Die Qualität der Busse lässt ja zu wünschen übrig aber in der Regel funktionieren sie jeweils mehr oder weniger Pannenfrei. Nicht aber bei dem Bus, welchen wir für die Rückfahrt nach Baroda nahmen. Bei fast voller Fahrt auf der Autobahn versagte plötzlich das Getriebe! Ein Funkgerät für das aufbieten eines Ersatzbusses haben sie natürlich nie dabei (ich zweifle aber auch, ob sie überhaupt Ersatzbusse hätten). Wieder einmal durfte ich die Gelassenheit der Inder bewundern. Da gab es kein Murren und niemand fluchte vor sich hin. Man liess sich eine Bestätigung geben, dass man bereits bis nach Baroda bezahlt hat und stieg aus dem Bus.

Dann hiess es einfach warten. Warten auf einen anderen Bus der per Zufall auch gerade dieselbe Strecke abfährt. So einer kam dann auch etwa nach bereits 20min doch dieser war eigentlich auch voll.

Etwa 20 Stehplätze waren aber noch verfügbar. Zum Glück hatten Juliane und ich wenig Gepäck sodass wir zu den schnelleren gehörten und uns so unsere Plätze in diesem Bus sichern konnten. Was mit den restlichen Fahrgästen und mit dem Bus passierte konnte ich nicht mehr in Erfahrung bringen.

Kurz vor Weihnachten konnte ich auch hier in Indien von meine 1.Hilfe Kenntnisse Gebrauch machen. Vor meinen Augen machte eine Mitarbeiterin von Vigorsoft einen Epilepsieanfall. Das ist ja in der Regel überhaupt nichts tragisches und etwas was die betroffene Person in der Regel nichts dafür kann, aber seitdem meidet diese Person den Kontakt mit mir. Wieso das so ist, weiss ich nicht. Ich nehme mal an, dass dies ins Kapitel „andere Länder – andere Sitten“ geht.

Mal ein Wort zur indischen Post:

Ich weiss gar nicht, ob ich es schon einmal erwähnt habe, aber wenn ich ein Bahnticket über Internet bestelle wird dieses in Dehli ausgedruckt und innerhalb eines Arbeitstages nach Hause geliefert. Das ist schlicht und einfach eine Meisterleistung da Dehli ca. 1000km von Baroda entfernt liegt.

Hingegen gibt mir die lokale Poststelle am Bahnhof Baroda zu denken. Ich war um halb zwölf dort und wollte 4 Briefe aufgeben. Das war aber nicht möglich da die Briefannahmeperiode erst ab 12 Uhr beginnt. Warum sagte ich Briefannahmeperiode und nicht ganz einfach etwas wie Öffnungszeit? Diese Information bekam ich von der überaus netten Frau am Schalter. Eine halbe Stunde später konnte ich dann die Briefe am gleichen Schalter wie vorhin aufgeben!

So obschon ich unterdessen bereits vieles mehr erlebt habe (u.a. Ausflug nach Jaipur), schliesse ich mal diesen Travel Report ab. Sonst wird dieser auch wieder extrem lange und es dauert noch länger bis ich ihn fertig habe.

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