Jaipur

Hallo zusammen

Einmal sollte ich doch dieses Blog abschliessen. Das hier ist somit Teil 1 von vermutlich 3 Teilen des Abschlusses nach über 5 Jahren nach meiner Rückreise…

Die meisten Trainees beschlossen über Weihnachten nach Goa zu reisen. Juliane und ich fanden diese Idee nicht unbedingt grossartig da Goa über Weihnachten berüchtigt betreffend exessiven Alkoholkonsum ist. So beschlossen wir vom 25-29.12.2004 nach Jaipur zu reisen. Da wir recht spät mit dieser Entscheidung waren, kriegten wir keine Zugtickets mehr auf den regulären Weg. Ich durfte mich also wieder einmal in die tiefen der indischen Bürokratie stürzen. Es ist nämlich so dass gar nicht alle Tickets in der regulären Verkauf geraten. Eine bestimmte Anzahl von Tickets wird für Touristen und für Notfälle reserviert. Nur wie kriegt man diese? Zuallererst muss man am morgen einen ganz bestimmten Informationsschalter der Bahn finden. Der ist selbstverständlich nicht am Bahnhof sondern im Bahnverwaltungsgebäude weit abseits des Bahnhofs (genauer gesagt in der anderen Ecke von Baroda). Auch der Schalter ist dann nicht sofort gefunden. Beim Schalter angekommen füllt man anschliessend ein Formular aus, indem man schreibt wieso man eines der restlichen Tickets benötigt. Hier sah ich übrigens bisher den einzigen Grund wieso die Inder so stark auf Jobtitel ausgerichtet sind. Alle wollten mit ihrem Jobtitel ihre Wichtigkeit betonen damit sie noch ein Ticket kriegen. Mein Jobtitel war Tourist. Nachdem ich den Antrag abgegeben hatte verabschiedete ich mich weil der Entscheid erst am Abend mitgeteilt wird. Also fuhr ich mit dem Bike noch einmal hin. Nach kurzem warten kam dann ein überaus freundlicher Angestellter mit 2 Tickets zu mir! Geschafft. Beim herausgehen konnte ich noch ein Blick in die Amtsstube werfen. Ich sah etwa 20 Arbeitsplätze. Keiner dieser Arbeitsplätze hatte ein Telephon, Computer oder ein anderes elektronisches Gerät. Keine Ahnung was diese den ganzen Tag machen.

Die Hinreise nach Jaipur verlief eigentlich ganz ereignislos. Wir waren einigermassen pünktlich angekommen. Beim Bahnhof erwartete uns das übliche Spiel. X-Hotelbesitzer und Chauffeure wollten uns bedienen. Wir hatten aber bereits 2-3 Hotels in Laufdistanz vom Bahnhof im voraus herausgesucht sodass wir all diese Angebote ausgeschlagen hatten. Bereits das erste Hotel gefiel uns dermassen, sodass wir die Suche sehr rasch einstellen konnten.

Ein paar Worte zu Jaipur. Jaipur ist sehr touristisch aber gleichwohl sehr indisch. Die Stadt selber nennt sich auch “Pink City” weil die Häuser im Stadtzentrum alle Pink angemalt sind. Juliane und ich nennen diese Farbe eher braun. Das Zentrum von Jaipur ist sehr symentrisch aufgbaut. Sämtliche Strassen sind schnurgerade und parallell oder vertikal zueinander ausgerichtet. Der erste Tag verbrachten wir mit dem erkunden der Stadt. Es gab wieder einmal einiges zu sehen. Neben den vielen Textilshops gab es sogar ein Händler der Eis verkaufte. Das Eis lagerte er ungekühlt als ein einzig grosser Klotz. Im Unterschied zu Baroda sieht man hier noch viele Velorikschaw. Die Fahrer dieser Rikschaw preisen dabei ihre Velos als Helikopter an. Ich habe noch nie einen Helikopter gesehen, dessen Maximalgeschwindigkeit bei Normallast (in dem Fall Fahrer plus 2 Personen) kleiner als 10 km/h ist…

Am nächsten Tag machten wir uns zuerst auf den Weg zum Fort Amber. Bei der Hinfahrt war ich ganz erstaunt, dass unterwegs es viele AC-Busse hat. Einige davon waren mit Kuoni angeschrieben. Aha, wir sind jetzt wirklich an einem Ort gelangt, wo es einige westliche Touristen hat. Der letzte Weg zum Eingang kann man entweder per Fuss oder per Elephant absolvieren. Da dieser Elephantenservice schon sehr nach Touri-Aktion aussah zogen wir den kurzen Fussmarsch vor. Beim Kauf der Eintritttickets gab es dann eine schöne Szene. Ich habe hier in in Indien ein sogenanntes “residental permit”. Dies bekommt man, wenn man länger als ein halbes Jahr im Land lebt. Dies berechtigt dann eigentlich auch, dass man überall nur den indischen Eintrittstarif bezahlen muss (Ausnahme siehe Taj Mahal 🙁  Blog folgt später). Der Preisunterschied ist dabei zum Teil sehr happig und kann locker das zwanzigfache ausmachen. Beim Fort Amber machten sie dafür extra zwei Kolonnen und ein Angestellter bemühte sich dass alle Leute am richtigen Ort anstanden. So stand ich dementsprechend bei den “Indians” an. Er sah mich und meinte zu mir “all non indians over here please” und wollte mich in die andere Kolonne weisen. Meine Antwort “sorry i am Indian” verdutzte nicht nur ihn sondern auch alle Touristen um mich herum. Daraufhin zeigte ich ihm mein Residental permit und die Welt war für ihn wieder in Ordnung.

Das Fort selber war wieder sehr eindrücklich. Im Unterschied zum Fort in Jodhpur ist dieses Fort aber im allgemeinen in einem viel schlechteren Zustand. Das Fort selber steht auf einem Hügel sodass es auch im Fort selber oft rauf und runter geht. Juliane (sie stammt aus dem flachen Hamburg) meinte zu meinen forschen Tempo dass sie im Gegensatz zu mir keine Bergziege sei.

Zurück in Jaipur wollten wir gerade das Hawa Mahal (Palast der Winde) von aussen besuchen als mich mein Vater anrufte. Der 26.12.2004 war ja der Tag des Tsunami und da er wusste, dass Pia in Khao Lak war, wollte er mich informieren. Nachdem ich feststellen musste, dass an diesem Tag per Internet noch gar keine Infos verfügbar waren beschlossen wir zurück ins Hotel zu gehen um uns einwenig auszuruhen. Das anschliessende Nachtessen war zwar sehr gut aber höchstwahrscheinlich hatte dieses Essen noch eine Nachgeschichte. Davon später mehr….

Spät am Abend bekam ich von Pia ein SMS sodass ich zumindestens wusste, dass sie überlebt hatte.

Am 27.12.04 und somit unserem letzten Tag in Jaipur besuchten wir noch das Jantar Mantar sowie das Hawa Mahal von innen. Das Hawa Mahal ist ein 5 Stöckiges Fassadengebäude (die oberen 3 Stockwerke bestehen de Facto nur aus Fassade). Bemerkenswert sind dort noch die Brüstungen die gegen das Herunterfallen in den Innenhof schützen sollen. Ich bin ja nicht der Grösste aber selbst bei mir kamen diese Brüstungen nur bis zu den Knies. Ich glaube kaum, dass dies in der Schweiz so zugelassen wäre.

Die Heimreise selber wäre eigentlich kaum erwähnenswert gewesen, wenn nicht Julianes Magen zu rebellieren drohte (Nachtessen von gestern?). Es begann mit Durchfall und genau als wir morgens sehr früh in Baroda eintrafen musste sie sich übergeben. So beschlossen wir kurzfristig, dass ich temporär in ihre WG zügle, da sie sonst alleine krank zuhause war. Ca. 4 Stunden später ging mir es dann gleich. Das einzig positive daran war, dass wir jetzt fast sicher wussten, was los ist. Wir hatten unterwegs etwas schlechtes gegessen und es ist sicher kein Malaria. Zum Glück war der Spuk bei beiden am Abend vom gleichen Tag vorbei.

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