Kite Festival, Abreise, Rückblick

Hallo zusammen

Hier also noch der letzte Bericht meines Indiensaufenthalts. Anschliessend muss ich nur noch die Photos der letzten 3 Indienmonate auf das Netz stellen.
Der letzte grosse Event hier in Baroda ist das Kite-Festival. Überall in der Stadt werden einfache Drachen in die Luft gelassen. Das bedeutet dass es insgesamt tausende Drachen gleichzeitig in der Luft hat. Das Ziel des Anlasses ist es dabei den Drachen des Nachbarn von der Luft zu holen. Das funktioniert indem man die Schnur an dem der Drachen hängt, durchschneidet. Die Schnur des Drachen ist dafür speziell zubereitet, sprich rau. Ziel ist es also seinen Drachen schnell in die Luft zu bringen um damit anschliessend auf die Jagd zu gehen…

Weil ich länger als ein halbes Jahr in Indien war musste ich mich offiziell wieder abmelden. Dafür musste ich natürlich einen Antrag bei der Polizei schreiben. Bemerkenswert ist dabei die Tatsache, dass ich sogar vom Vermieter eine Bestätigung brauchte, dass ich meine Miete brav bezahlt habe.

Wie gewohnt bei einer Abreise eines Trainees in Baroda trafen sich alle noch einmal in einem Restaurant nach Wahl des Abreisenden. Ich wählte dafür ein Restaurant nahe meines Arbeitsplatzes welches wir erst vor kurzem entdeckt haben. Die Stimmung in mir war an diesem Abend schon eigenartig. Zum einen freute ich mich auf zuhause. Anderseits hatte ich mich wirklich gut in Baroda eingelebt und hatte auch viele Freunde gefunden.

Der Abflug in Baroda gestaltete sich sehr Chaotisch. Begleitet von ein paar Trainees machte ich mich auf den Weg zum Flughafen wo innerhalb von einer Stunde gerade mehrere Flüge starten sollte. Dies ist jeweils die tägliche Rush-Hour. Und prompt zu dieser Zeit stürzte das gesamte Buchungssystem des Flughafens ab. Dies auch gerade im dümmsten Moment, sprich zu dem Zeitpunkt wo gut die Hälfte der Passagiere bereits eingecheckt waren. Jedenfalls wussten sie nicht mehr, welche Plätze im Flugzeug bereits vergeben waren. Das Chaos auf dem Flughafen verschob sich darauf einfach in das Flugzeug. Ich selber hatte das Glück, dass mein Platz nicht doppelt vergeben war und konnte das ganze recht gelassen angehen. Zudem wusste ich, dass ich in Mumbai über 5h Zeit hatte, sodass die Verspätung von Schlussendlich 1h nicht gross störte.

Fazit
Insgesamt war die Zeit in Indien für mich eine wirklich schöne Zeit. Mich hat es persönlich viel gebracht und habe auch viel erlebt und gelernt. Ich sage heute jedem der eine Möglichkeit hat so ein Praktikum zu machen soll sie nutzen wenn er will. Klar gab es negative Erlebnisse aber die Positiven überwogen glücklicherweise. Selbst jetzt über 5 Jahre später habe ich mit einigen Leuten welche ich in Baroda kennengelernt habe noch Kontakt.

Zum Schluss noch ein paar Episoden aus dem Kapitel: Andere Länder andere Sitten:

Joghurt zum Frühstück
Normalerweise ass ich das vom Geschäft organisierte Frühstück. Einmal passierte es aber, dass ich am Montag im Büro war und somit kein Frühstück organisiert war (normale Arbeitswoche war bei uns Di-Sa). Also kaufte ich mir auf den Weg ins Büro ein Joghurt (Masti Dahi) welches ich dann ganz normal im Büro ass. Als mich mein Chef sah, fragte er mich ob ich meine Tests in Masti Dahi ertränken will (Ich machte an diesem Tag Softwaretests). Ich verstand überhaupt nicht, auf was er hinaus wollte. Es ist schliesslich ganz normal, dass Inder zu jedem normalen Essen ein wenig Joghurt nehmen. Die Lösung war dann ganz einfach. Sie nehmen Joghurt immer zur einen Hauptmahlzeit und niemals (pur) zum Frühstück.

Kuchen ohne Gravierung
An einem Sonntag beschlossen Sven, Juliane und ich einen Kuchen für’s Z’Vieri zu kaufen. Hier in Baroda gibt es eine Art Bäckerei wo solche Kuchen herstellt. Also gingen wir hin und wählten einen Kuchen aus. Der Verkäufer  fragte uns dann, was er auf den Kuchen schreiben soll. Wir sagten, dass er sich diese Arbeit sparen kann was er fast nicht begreifen konnte. Er meinte auf jeden Kuchen braucht es eine Widmung wie Happy Birthday oder ähnliches. Einen Kuchen einfach so zu Essen kann doch nicht sein.

Teurer Fahrradreifen
Nach dem Pumpen der Fahrradreifen meines Fahrrades passierte es dass der Schlauch samt Pneu explodierte. Als ich dies dem Fahrradflicker zeigte, meinte es dass er das so nicht mehr reparieren könne. Dafür müsse er einen neuen Reifen nehmen was bedauerlicherweise “very costly” (sehr teuer) sein. Auf meine Nachfrage hin, meinte er dass es Rp. 160 kostet. Umgerechnet sind das rund Fr. 4.–.

Spaghetti mit Proteinen
Teigwaren waren in Baroda weniger bekannt. Man kriegte zwar Barilla-Teigwaren, aber die waren wesentlich teurer als hier in der Schweiz. Deshalb versuchten wir uns einmal mit indischen Teigwaren. Dies war nicht unbedingt eine gute Entscheidung. Obschon, das Ablaufdatum noch lange nicht abgelaufen war, waren diese Spaghetti voller Proteinen (sprich Ungeziefer). Grösstenteils konnten wir diese beim Kochen abschöpfen. Doch schlussendlich war es gleichwohl besser die Tomatensauce vor dem Anrichten unter die Teigwaren zu rühren damit es nicht so auffällt… (keine Angst in der CH würde ich mir das nie erlauben..)

Kleingeldwechsel
Indien kennt wie fast überall auf der Welt sowohl Münzen als auch Banknoten. Der grosse Unterschied zur Schweiz ist aber der Wert der Münzen bzw. Noten. Die grösste Münze hat einen Nennwert von 10 Rupees was ungerechnet 30 Rappen entspricht. 10er Rupees-Münzen und auch 5er sind aber bereits selten. Die Noten beginnen bei 10 Rp. Die Grösste ist 1000 Rupees was rund Fr. 30.– entsprechen. Mein Lohn von Rp 6000 bekam ich jeweils Ende Monat in Bar. Wenn ich Glück hatte, bekam ich ihn in 100er Rp-Noten ausbezahlt. Wenn ich Pech hatte in 500er Rp Noten. Ganz Dumm war es wenn ich ihn in 1000er Rupees ausbezahlt bekam. Es hatte zwar den Vorteil, dass man nicht gross nachzählen musste aber praktisch machte mir dies grosse Probleme. Ich wurde sie nämlich nur schlecht als recht los. Rikshawfahrer hatten selbst bei 100 Rp. Noten Mühe mit Wechselgeld. In den Läden hatten sie nicht immer Wechselgeld für 500 Rp. Einzig in den Restaurant konnte man die 500 Rp Noten loswerden. Da hat es schon mal gegeben, dass jeder Trainee separat bezahlen wollte nur damit er die 500 Rp-Noten eintauschen konnte.. Bei 15 Trainees war dann aber auch das Restaurant nicht unbedingt glücklich darüber.

Gespräch übers Dreieck
Inder sprechen einen Ausländer gerne und oft an. Mangelde Englischkenntnisse spielen dabei keine Rolle. Ich weiss nicht wie oft ich folgende Fragen hörte: Where do you come from? What’s your godname? How old are you? und ganz wichtig Are you married? Ganz speziell war da aber eine Situation in Südindien. Ich war mit Manuela und Julia in der Stadt unterwegs als mich ein Inder ansprach. Dieser fragte mich woher Julia kommt obschon sie direkt neben mir stand. Ich antwortete ihm und sagte auch, dass er sie doch auch gerade direkt fragen kann. Dies wollte er aber nicht verstehen, denn er fragte anschliessend mich ob sie verheiratet sei…

Unsere Unterkunft / Geschlechtertrennung
Einmal wurde ich vom Rotary-Club in Baroda eingeladen um einen kleinen Vortrag über die Schweiz und mein Praktikum hier in Indien zu halten. Dort ist mir zum ersten mal wirklich aufgefallen, wie streng die Inder die Geschlechtertrennung befolgen. Auf der einen Seite sassen die Männer und auf der anderen die Frauen. Dabei spielte es überhaupt keine Rolle, dass die meisten davon als verheiratetes Paar anwesend waren. Wir haben uns darauf mehrfach gefragt was die traditionell eingestellten Inder denken würden, wenn diese wüssten, dass unsere WGs gemischtgeschlechtlich sind und dass ich z.B. das Zimmer lange Zeit mit einer Norwegerin teilte.

Lokale Kenntnisse
Westliche Leute gelten in Indien per Definition als Reich. Deshalb ist es auch nicht erstaunlich, dass Händler sowie Rishawfahrer oft versuchen für sich sehr guten “Konditionen” herauszuhandeln. Ganz speziell war es jeweils wenn wir mit einem Rucksack beladen nach einer Reise wieder in Baroda ankamen und wir ein Rikshaw für die restliche Distanz brauchten. Da meinten sie natürlich, dass sie z.B. 100 Rp verlangen könnten obschon es praktischerweise nur ca. 25 Rp kosten würde. Da machten sie aber nicht die Rechnung mit uns. Ehe wir in ein Rikshaw einstiegen wurden folgende Konditionen ausgehandelt: Berechnung mit dem Rikshawmeter, kein Nachttarif (wenn vor 23 Uhr) keine Extragebühr für Gepäch. Dies waren nämlich so die üblichen Tricks. Der letzte Trick nahmen wir dann gerade unterwegs weg. Wenn sie meinten, dass sie einen “besseren” Weg kannten korrigierten wir sie sofort. Da waren die Fahrer ganz Baff dass Touristen ihre Stadt so gut kannten…

This entry was posted in Indien Deutsch. Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *