Weitere Stories

Hallo zusammen

Eigentlich habe ich geschrieben, dass es keine weiterer Blogeintrag folgen wird. Nun ist es aber so, dass mir beim durchlesen noch einige Stories in den Sinn kamen die ich erlebt habe. Diese möchte ich euch nicht vorenthalten. Viel Spass:

Essen mit Maus
Indien ist ein Land wo mehr als die Hälfte der Einwohner Vegetarier ist. Die Gründe dafür sind vielfältig (Glauben, Hygiene, Geld). In Baroda gibt es deshalb gar nicht viele Restaurant die Fleisch in mehr als nur eine kitzekleine Zugabe servieren. Ein Restaurant wo es noch wirklich Fleisch gab war der “Chicken Place”. Eigentlich hiess dieses Restaurant ganz anders, aber wir Trainees konnten den richtigen Namen nie merken. Dort war das Essen gut aber irgendwie waren wir bereits abgehärtet. Eines Abends lief nämlich während dem Essen eine Maus über meine Stuhllehne. Wir assen aber einfach gemütlich weiter.

Small World Problem / AIESEC-Plakat
Normalerweise ass ich mit den immer gleichen Mitarbeiter von Vigorsoft in der Kantine des Firmengebäude mein Mittagessen. Mein direkter Chef war da nie dabei, weil er jeweils in eine andere Kantine ging. Da ich grundsätzlich neugierig bin ich einmal auch mit ihm an diesen Ort essen. Vor Ort stellte sich heraus, dass der Besitzer und Betreiber dieses 2 Mann-Betrieb einmal in der Schweiz gelebt und gearbeitet hat. Mir gefiel es dort so gut, sodass ich ein paar Tage später Balazs aus Ungarn zum Abendessen dort mitnahm. Als wir also auf das Essen wartete fiel Balazs ein Plakat auf welches Werbung für AIESEC machte. Zur Erinnerung: Die meisten Trainess (inkl. mich) hatten ihr Traineeship mit AIESEC organisiert. Frage 1: Wie kommt dieses Plakat dorthin, wenn kein einziger Trainee dieses Restaurant kannte und wir jeweils die guten Restaurants den nächsten Trainees “weitervermitteln”. Noch viel lustiger war Balazs Reaktion auf dieses Plakat. Er kannte einer der 5 abgebildeten Leute. Dieser war ein AIESEC Mitglied einer Ortsgruppe in Ungarn.

Sven’s Fahrer
Sven hatte immer einen von seiner Firma organisierten Fahrer für seinen Jeep. Dieser hatte normalerweise nur wenig zu tun, weil die Distanz von Sven’s Haus zu seinem Arbeitsplatz ca. 1km war. Manchmal machte der Fahrer dann für Sven noch Besorgungen oder führte er ihn in die Fabrik wenn es nötig war. Wenn er nichts zu fahren hatte, wartete er einfach im Eingangsbereich von Sven’s Büro. Im Schnitt hatte er vermutlich ca. 6 Stunden mit Warten verbracht. Eines Tages bekam er einen neuen Fahrer, da der alte aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr fahren konnte. Der neue war zwar freundlich aber sein englisch war noch stark verbesserungsfähig. Also kaufte Sven ihm ein Englischlernbuch. So konnte es sich die Wartezeit mit etwas Sinnvolles füllen. Die Idee von Sven war zwar gut gemeint, aber er bevorzugte das Nichtstun bzw. das starren in die leere. Das er dabei kein Bore-Out-Syndrom kriegte war mir ein Rätsel.

Baustellen
Indische Baustellen sind auch eine Geschichte für sich. Wenn ein Haus gebaut wird, werden in Indien mindestens 3 mal so viele Leute gebraucht wie in der Schweiz. Der Einsatz von Maschinen, Kränen bzw. Förderbänden lohnt sich im Vergleich zur den billigen Arbeitskräften einfach nichts. Es ist daher nicht erstaunlich, dass selbst bei einem Hochhaus, alles Material (Ziegelsteine etc.) von Hand empor getragen werden. Einmal sah ich auch bei einer Baustelle dass mindestens 10 Leute beschäftigt waren, nur einwenig Kies von einem Haufen am Strassenrand in das innere zu tragen. Jeder hatte dafür einfach eine Schüssel die mich irgendwie an eine Goldgräberschüssel erinnerte.

Schwimmen
Baroda hat ein (privates ?) Schwimmbad. Wenn man dort regelmässig schwimmen gehen möchte, muss man sich anmelden. Ich hatte dies lange vor, aber ich zögerte die Anmeldung so lange hinaus bis es keinen Sinn mehr machte. Das Prozedere geht folgendermassen:
1. Zuerst muss man ein Anmeldeformular ausfüllen. Grösse des Formulars 2 doppelseitiges beschriebenes A4-Anmeldeformular. Kleine Randnotiz: Alles natürlich auf Gujarati (= eigene Schrift)
2. Dieses Papier muss dann irgendein offizieller Beamter abstempeln welcher die Korrektheit der Angaben bescheinigt. Wie er das wohl überprüfen kann….
3. Anschliessend geht man zum Doktor, damit dieser Bescheinigen kann, dass man physisch in der der Lage ist schwimmfähig zu sein (= keine Gebrechen, keine Herzprobleme oder ähnliches)
4. Schlussendlich muss jeder dann noch vorschwimmen gehen. Er muss schliesslich beweisen, dass er schwimmen kann.
Ausnahmen gibt es übrigens keine. Da hatte ich selbst mit meinen Rettungsschwimmbrevets keine Chance gehabt.

Coiffeur
Auch in Indien wachsen einem die Haare. Im Unterschied zur Schweiz gibt es aber eine ganz grosse Qualitätsunterschiede zwischen den einzelnen Coiffeur. Vom Ich-habe-mal-zugeschaut-wie-es-geht bis zum gut ausgebildeten Coiffeur findet man alles. Sven empfahl mir seinen da er gut und sauber arbeitet. Er betonte jedenfalls dass er jedes mal eine neue Rasierklinge braucht. Zu meiner Zeit war in Indien in einem Scheitel-Hype. Es war demnach auch nicht erstaunlich, dass er mir dies auch vorschlug. Ich fand es hässlich. Gleichwohl hatte es sehr grosse Freude an mir oder besser gesagt an meinen Haaren. Sie sind für ein Inder einfach wunderschön hell. Ganz spassig nebenbei war sowieso die Kommunikation. Das Englisch des Coiffeur war zwar gut, aber wüsstet ihr alle Coiffeurbegriffe (Scheitel, Koteletts, Übergänge etc.) auf Englisch?

Trinkwassertank
An einem Sonntag entspannten Sven und ich uns auf seinem Dach. Dort ist auch sein Drinkwassertank einbetoniert. Als wir darauf zu sprechen kamen, meinte ich man könnte doch mal reinschauen ob dort noch alles in Ordnung bzw. sauber ist. Wir fanden das Skelett eines Rattengrosses Tier im Drinkwassertank! Zum Glück hatte Sven alles Drinkwasser noch durch ein Wasseraufbereiter gelassen. Am nächsten Tag hatten seine Angestellten jedenfalls arbeit.

Juliane erstes Treffen
In Baroda leben neben den weit über 1 Million Inder bzw. indischstämmige Menschen etwa 35 Nicht-Inder. Die meisten von diesen waren Trainees aus der gleichen Organisation (AIESEC) wie ich. Mit ein paar weiteren pflegten wir Trainees zudem engen Kontakt (Sven, Hassan, Muhammed etc.). Kurz gesagt, es gab kaum einen nicht Inder in Baroda den ich nicht kannte.
Sven und ich waren am Abend oft gemeinsam unterwegs. Beim verlassen meines Quartiers sahen wir jemand hellhäutiges auf dem Rücksitz eines Fahrrades sitzen. Wir stoppten und stellten fest, dass dies Juliane war welche von ihrem AIESEC-Buddy in eine WG gebracht wurde (und wir natürlich im voraus nicht informiert wurden). Das lustige daran war, dass diese einfach keine Ahnung hatten (inkl. dem AIESEC-Buddy aus Baroda) wo die WG genau lag. Sie waren jedenfalls dankbar über die anschliessende Wegbeschreibung…

Wasserlieferung
Das Wasser aus den Leitungen in Indien ist nicht unbedingt Trinkwasser. Als Alternative bietet sich da Wasseraufbereiter wie bei Sven oder Trinkwasserlieferanten wie bei uns an. Diese liefern Trinkwasser in 25 Liter Behälter wie wir das hier in der Schweiz von den meisten Büros her kennen. Der Lieferservice funktioniert zwar gut aber die Kommunikation mit denen war sehr schwierig da sie kaum Englisch konnten. Sprich eine Bestellung per Telephon war immer ein Abenteuer. Also änderte ich das Spiel. Ich habe im Büro ja genügend Kollegen die Gujarati sprechen. Ich fragte Chetan also ob er für uns dort anrufen konnte. Fazit: Er brauchte fast 5 Minuten bis er verständlich machen konnte, dass er für uns bestellen möchte. Sie haben nämlich begriffen, dass sobald jemand anruft der kein Gujarati spricht wir das sind. Was wir bis anhin sonst versuchten zu erklären verstanden sie gar nicht.

Bügelservice
Ganz in der Nähe meiner beiden Wohnungen hatte es einen Bügelservice. Ein elektrisches Bügeleisen hatte aber beide nicht. Beide hatten noch ein Bügeleisen, das mit heisser Kohle betrieben wurde.

Indische Zahnärzte
Indien hat für jedes Portemonnaie einen Zahnarzt. Da gibt es wirklich gute und dementsprechend teure Zahnärzte welche in einer richtigen Praxis arbeiteten. Anderseits gibt es “Zahnärzte” die ihren Dienst auf der Strasse anbieten. Hier noch ein Beweisphoto.

Fischlieferungen
Ganz in der Nähe bei meiner 2. Wohnung kam gab es einen halb offiziellen Fischstand. Dieser Fisch war aber ohne Zweifel Gesundheitlich mindestens bedenklich. Baroda liegt im Landesinneren. Der Fisch der im Meer gefangen wurde, musste somit über min. 100km herantransportiert werden. Ich glaube kaum, dass dieser Transport gekühlt war. Der Fisch den sie zum Verkauf anboten lag zudem am Strassenrand einfach auf einer Folie und das vollkommen ungekühlt!

Kissen oder einkaufen in Indien
Ich wollte mir ein neues Kopfkissen kaufen. Dabei musste ich sämtliche Tricks anwenden um an einen guten einheimischen Preis zu kommen. Das geht folgendermassen. Ich fragte Chetan ob er mir so eines kaufen könnte. Also fuhren wir mit Sven’s Auto zum Shop. Wir hielten aber nicht vor dem Shop sondern eine Kreuzung davor, da Auto = Reich bedeutet. Chetan lief also zu Fuss (= arm) dorthin und liess sich auf Gujarati beraten. Als ihm alles klar war rufte er mich an und fragte was er nun kaufen solle. Gesagt getan und wir kamen mit dem Auto vor dem Shop und luden Chetan ein….

Fahrradzustand
Mein Fahrrad war ja nicht unbedingt in einem guten Zustand. Neben Plattfüsse und anderen “Kleinigkeiten”, hatte ich je einmal grössere Bremsprobleme und Antriebsprobleme. Als ich Probleme mit den Bremsen hatte, musste ich zum richtig Bremsen jeweils direkt am Draht nahe der Bremsschuhe ziehen. Beim anderen Fall spinnte der Leerlauf so sehr, dass ich oft im leeren drehte. Eigenartigerweise war das Bremsproblem das viel kleinere Übel (ich flickte es erst nach ca. 3 Wochen). Der Leerlauf liess ich nach 2 Tagen flicken. Das wäre sonst zu gefährlich geworden, da ich so nicht von den Autos “fliehen” konnte.

Velofahren
Ich war in Baroda meistens mit dem Fahrrad unterwegs. Dies führte schon bereits zu diversen ungläubigen Blicke seitens der Inder. In Indien ist das Fahrrad das Fahrzeug der Armen. Der Mittelstand fährt Motorrad und nur die Reichen besitzen ein Auto. Erst langsam kommt der Gedanken auf, dass Fahrrad fahren auch etwas gesundes ist. Die Ernüchterung kommt aber an einer normalen Eisenbahnbrücke in Baroda (oder besser gesagt eine Strassenbrücke welche ein Zugsgeleise überquert). Ein AIESEC-Mitglied aus Baroda jammerte nämlich, dass er körperlich nicht mehr in der Lage sei diese Brücke mit dem Fahrrad fahrend zu überqueren. Das Problem war effektiv die Ausdauer und nicht die Kraft. Breitensport ist halt in Indien noch nicht so verbreitet.

Temperaturempfinden
In Baroda hat er vermutlich noch nie geschneit. Jedenfalls war es im Januar am Morgen immer noch 16 Grad. Dies war für mich genug warm um mit dem T-Shirt auf dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Am Mittag und gegen Abend war es ja sowieso immer über 20 Grad. Gleichwohl hinderte dies 2 indische Kinden nicht mit Handschuhen und Kappen draussen Fussball zu spielen. Sowohl sie als auch ich waren verduzt als wir uns sahen.

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