Leben nach Monsun, Farmhausparty, Mumbai und Fieber

Namaste

Zuerst mal vielen Dank für all die Rückmeldungen die ich von euch erhalte. Bitte verzeiht mir, wenn ich nicht gerade sofort antworte. Ich gebe mir primär Mühe, dass ich in einigermassen regelmässigen Abständen diese Travel Reports schreibe. Ich hatte zudem auch schon eine ca. 57(!)-Woche im Büro.

So die Pilzsaison ist nun langsam aber sicher vorbei. Wir hatten nun seit über eine Woche kein Regen mehr. Die Luftfeuchtigkeit ist bereits dramatisch zurückgegangen. Jetzt kann man auch z.B. die Türe zur Toilette wieder ganz schliessen. Sie ist nun nicht mehr verzogen. Hingegen ist die Temperatur schon wieder stark angestiegen. Aber das nehme ich gerne in hin! Die Strassen haben aber extrem unter dem Monsun gelitten. Ich hätte das nie gedacht, dass (bedingt durch den schlechten Strassenunterbau) fast jede Strasse zu einem Schlaglochpiste wurde. Seit etwa 2 Wochen ist auch ein 1min-Film von den lokalen Strassenverhältnisse (vor Monsun) auf meiner Homepage online. Ich empfehle aber, dass ihr diesen nur herunterlädt, wenn ihr einen ADSL- oder Cable-Internetanschluss habt. Ansonsten dauert das Herunterladen knapp eine Stunde.

Es ist bereits eine Weile her, als ich durch einen indischen Freund zu einer Farmhausparty eingeladen wurde (er war ebenfalls nur Gast). Das ganze fand an einem Sonntagabend statt. Eingeladen waren rund 100 Personen. 30 Bedienstete servierten und kochten für diesen „kleinen“ Anlass. Das ganze dauerte aber nicht viel länger als 3h da ja fast alle am Montag wieder arbeiten mussten. Die Vorbereitungen zu diesem Anlass (er war gar nichts spezielles zu feiern) brauchten sicher rund 10 Manntage. Das ganze fand in einem Farmhaus mit Swimmingpool, Reitstall, eng. Garten Springbrunnen etc. etwa 30min ausserhalb Baroda statt. Die sozialen Unterschiede sind hier einfach krass.

Letztes Wochenende war ich wieder einmal auf eine Reise. Diesmal ging es in die 16 Mio. Metropole Mumbai (Bombay). Ich reiste dabei zusammen mit meinen beiden WG-Mitbewohner Tonje (Norwegen) und Balazs (Ungarn). Die Reise dorthin war auch diesmal erwähnenswert. Wir kamen am Samstag um 4 Uhr in der Früh in Bandra (ein Bahnhof ausserhalb Mumbai) an. Wie geht es nun weiter? Nachdem wir den Bahnhofsaal oder besser den Bahnhofsschlafsaal durchquert hatten und wir die sicher rund 100 Rikscha- oder Taxiangebote abgelehnt hatten, mussten wir nur durch ein Slum laufen, damit wir zur Stadtbahnhaltestelle gelangen. Selbst um diese Uhrzeit mussten wir für ein Ticket anstehen. Auch die Stadtbahn, die zu dieser Zeit immer noch im ca. 10min-Takt fährt, war überfüllt! Ich will gar nicht vorstellen, wie das in der Rushhour hier aussieht. Ich habe gehört dass sie pro Tag rund 10 Mio. Passagierfahrten verzeichnet!

Am gleichen Tag unternahmen wir noch einen Bootstrip zu den Elephanta Island. Hier möchte ich gar nicht viel dazu sagen. Schaut euch einfach die Bilder auf meiner Homepage an. Historische Facts findet ihr auch hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Mumbai

Erwähnenswert war auch das Boot selber. Der Kapitän hat in seinem Führerstand keine direkte Gewalt über den ca. 8 PS-Schiffsmotor (bei ca. max. 100 Passagieren). Falls er eine Änderung des momentanen Antriebszustands will, muss er das über ein 1-Glocken-Seil-System dem Schiffsmaschinisten mitteilen. Bing-bing-bing-bing = volle Fahrt voraus oder bing–pause–bing–bing = halbe Kraft rückwärts etc. Es besteht zudem keine andere Kommunikationsmöglichkeit!

Der Sonntag war dann einfach für Sightseeing reserviert. Die Bilder (inkl. Kommentare dazu) sind ebenfalls auf der Homepage.

Kurz vor der Abreise hatte ich schon wieder eine Begegnung nach dem Motto die Welt ist doch so klein. Wir sassen in ein Café nahe einer Stadtbahnhaltestelle. Nahe am unserem Tisch sass auch noch so eine Gruppe, welche sehr international aussah, d.h. sicher nicht alle von der gleichen Nationalität sind. Da wir dachten, da sie ev. auch von AIESEC sind, gingen wir zu ihnen und fragten sie, von woher sie kommen. Es waren die AIESEC-Trainees von Pune mit wenigen Trainees von Mumbai selber. Eine davon arbeitete vor meiner Indienzeit 2 Monate bei der gleichen Firma wie ich jetzt in Baroda. Ihr gefiel es damals überhaupt nicht bei Vigorsoft. So wie es aussieht, werden wir in nächster Zeit mal nach Pune fahren….

Motivierend fand ich zudem, dass ich obwohl ich den Englisch-Dix dabei hatte, ihn das ganze Wochenende nie brauchte, obschon ich das ganze Wochenende kein Wort Deutsch sprach.

Leider hatte ich auch meine erste Krise hier in Indien. Letzten Montagabend war es mir plötzlich nicht mehr wohl und ich bekam 38.6 Grad Fieber! Zum Glück hatte ich Panadol dabei sodass ich das Fieber ein wenig herunterdrücken konnte. Jedenfalls war am Dienstagmorgen alles mehr oder weniger in Ordnung, sodass ich zur Arbeit ging. Dies änderte sich aber am Nachmittag wieder. So gegen 16 Uhr verschlechterte sich die Situation wieder. Ich merkte, dass das Fieber wieder ausbricht. Was nun? Malaria oder eine andere Tropenkrankheit? Jedenfalls entschloss ich mich krank zu schreiben und sofort einen Doktor aufzusuchen (so etwas würde ich mit diesen Symptomen in der Schweiz nie machen). Seine erste Diagnose war aber schon beruhigend. Es scheint nichts schlimmes zu sein. Der anschliessende Bluttest ergab dann ein eindeutiges Resultat. Ich habe eine bakterielle Infektion. Ich vermute, dass ich diese seit rund ein bis 2 Wochen habe, aber erst die beiden kurzen Nächte im Nachtzug schwächten den Körper genügend, sodass die Symptome sichtbar wurden. Jedenfalls weiss ich jetzt aber auch, dass meine Malariatabletten einen Malariaschutz aufgebaut haben. Dies haben sie nämlich gerade auch getestet. Die hygienischen Vorkehrungen bei der Blutentnahme waren übrigens wieder sehr gut.

Was mich eher nachdenklich stimmte, war der darauf folgende morgen. Ich rief im Büro an, dass ich krank bin und ich besser zu Hause bleibe. Eine Stunde später riefen sie mich aber wieder an und fragten mich, ob ich trotzdem zumindest für etwa 3h kommen könne. Wir müssen in 3h einen Bericht fertig haben den sie ohne meine Hilfe nicht rechtzeitig fertig kriegen. Ich arbeite doch erst seit nicht ganz 2 Monaten dort… Ich ging dann in Büro, da ich wie gesagt ja kein Fieber mehr hatte und mich einfach nur ausruhen sollte. Sogar der CEO bedankte sich anschliessend bei mir, dass ich gekommen bin und schickte mich aber nach der Abgabe des Berichtes sofort wieder nach Hause. Es ist definitiv besser so.

Positiv ist auch, dass ich seitdem gleichwohl kein Fieber mehr bekam.

Zu guter Letzt noch dies:

Hier in Indien ist Local-Wireless-Loop und Mobiltelephonie sehr verbreitet. Es ist daher schon fast normal, wenn man irgendwo ein Handy hört. Aber wenn man jetzt Jingle Bells hört fragt man sich schon was das soll. Vor allem dann wenn man mit einiger Zeit herausfindet, dass die Melodie nicht von einem Handy sondern von einem Auto kommt. Genauer gesagt: Von der Rückwärtsfahrwarnung wie wir sie in Europa bei den Lastwagen kennen (einfach nur das monotone Piepsen). Sobald sie den Rückwärtsgang einlegen, kommt die eingestellte Melodie. Auch hoch im Kurs ist die Lambada-Melodie. Offiziell wäre es verboten aber wenn kümmerts….

Posted in Indien Deutsch | Leave a comment

Monsun, Velo(-reparatur), Altstadt, daily live, 1. August

Hallo zusammen

In der Annahme, dass ihr schon lange darauf gewartet habt, schreibe ich mal wieder einen Travel Report.

Wie ich schon in den letzten Berichten geschrieben habe, hat hier der Monsun eingesetzt. Was dies konkret bedeutet, möchte ich anhand einiger Beispiele erzählen.

1. Ceylan (eine Trainee aus der Türkei) wollte am 4.8.2004 den Zug nach Dehli nehmen, weil dort einen Tag später ihr Flug nach Hause startet. Abfahrzeit 22:08. Also kamen wir kurz vor 22:00 am Bahnhof an. Wir hatten schon eine Vorahnung also fragten wir bereits kurz nach Ankunft, ob der Zug pünktlich sei. Ein Bahnarbeiter sagte uns dass der Zug 6 Stunden (!) verspätet sei. Aus diesem Grund fuhren wir also wieder zurück ins Apartment, damit wir einige Stunden später noch einmal dorthin fahren können. Ich verzichtete aber darauf, da ich am anderen Tag arbeiten musste. Jedenfalls war ich sehr erstaunt, als ich so um 5 Uhr in der Früh noch halb im Schlaf ihre Stimme im Apartment wieder hörte. Sie erzählte mir dann später, dass der Zug komplett ausfiel. Der Grund war recht einfach. Eine Brücke wurde nördlich von Mumbai weggeschwemmt. Zum Glück konnte sie den Flug und alles ohne Gebühren verschieben.
2. Es kam schon mehr als einmal vor, dass ich am Abend nicht wusste, wie ich am anderen Tag ins Büro komme. Der direkte Weg war jedenfalls komplett überflutet.
3. Feuchtigkeit = Pilze!!! Wir haben grössere Probleme im Apartment damit wir nicht überall Pilze haben. Ich habe auch schon Hosen gehabt, welche ich nach dem waschen wieder direkt zum waschen brachte. Obschon sie sofort nach dem waschen zum trocknen aufhängten waren sie eher von Pilzen befallen als sie trocken waren. Seit heute habe ich auch wieder keine Matratze mehr. Gestern Morgen um halb 5 stank sie mir definitiv zu stark. Ich stand mitten in der Nacht auf um sie in den Korridor zu werfen und mir etwas anderes einfallen zu lassen. Diese Nacht jedenfalls werde ich auf 7 Schichten von mehr oder weniger nicht übel riechenden Tücher schlafen und morgen will ich mir für ca. Fr. 5 eine neue kaufen (indischer Standard). Oder habt ihr etwa auch schon mal eine CD gesehen die von Pilzen befallen war, nur weil sie herumlag.

Dafür darf ich jetzt berichten, dass ich ab sofort per (1 Gang-) Velo die Stadt erkunden kann. Ich habe mich jedenfalls schon mehr oder weniger an den Linksverkehr gewöhnt. Leider musste ich aber mit diesem Fahrrad schon dreimal zum Mechaniker. Einmal musste ich den Sattel verstellen (die kennen hier keine Schnellspanner), ein anderes Mal hatte ich hinten einen Plattfuss und beim dritten Mal musste ich feststellen, dass beide (!) Bremsen kaum oder gar nicht mehr funktionierten. Es war jedes Mal für mich eine Lektion in indisches Handwerk. Am interessantesten war der 2. Fall. Obschon das Loch im Schlauch gerade neben dem Ventil war, wurde dieser Schlauch gleichwohl geflickt. Man sägt dabei einfach (mit einer Metallsäge) das Ventil ab und setzt es neu ein! Und natürlich wird für dies das Rad nicht abgenommen!

Letztes Wochenende war ich zudem zum ersten Mal in der Altstadt hier in Baroda. Ich habe ja schon einiges gesehen, aber so etwas wie das mit Sicherheit noch nicht. Die Altstadt ist einfach „overcrowded“, really noisy und stinkt zum Teil recht streng. Trotz allem ist es aber sehr interessant dort. Es war aber ebenfalls zum ersten Mal wo ich sagen musste, dass ich die Eindrücke überflutet wurde. Es war wirklich im Moment zu viel für mich. Ich werde aber dennoch wieder zurückgehen.

Zwei Beobachtungen möchte ich euch noch erzählen. Ich lief vorgestern wieder einmal von der Arbeit nach Hause. Es ist nämlich immer spannend zu sehen und erleben was auf der Strasse so läuft. Als ich jedenfalls bei den „Fahrenden Restaurants“ vorbei kam (Unser Lebensmittelinspektor lässt grüssen), sah ich einen Mann auf seinem Velo sitzen. Das ist ja an sich selber nichts besonderes solange er nicht die ganze Zeit in die Pedale trat, ohne dass er Fleck käme. Es war der fahrende Messerschleifer! Er trieb mit dem Hinterrad, welches durch den Veloständer in der Luft war einen Schleifstein nach dem Lenker an. So konnte er wie jeder normale Velofahrer auf dem Velo sitzen und die Messer schleifen.
Kurze Zeit später kam ich an einen Platz wo sie gerade ein Auto abschleppen wollten. Diesmal war das spezielle an der ganzen Szene das Abschleppseil. Sie nahmen dafür ein Bündel alter Velopneus (nicht Schläuche).

Und da war auch noch der 1. August. Da wir im Moment 3 Schweizer hier in Baroda sind, konnten wir auch einen Schweizerabend organisieren. Einen Abend mit Fondue, 9kg Rösti und Schweizer Schokolade. Dazu gab es Theater (Tell) gespielt von den anderen Trainees. Wir haben mit etwa 25 Personen gerechnet. Gekommen waren 35 (mit Ausnahme von 2 alle Trainees und etwa 10 Personen von AIESEC). Die Photos von diesem Anlass sind ja schon bereits lange auf dem Netz.

Posted in Indien Deutsch | Leave a comment

Monsun und Hygiene

Hallo zusammen

Der Monsun hier in Baroda wird nun immer wie heftiger und langsam aber sicher beeinflusst er das tägliche Leben hier immer wie mehr. Als wie gestern Abend zum Beispiel in einem Rickshaw nach Hause fuhren weigerte sich der Fahrer die Strasse die zu unserem Appartement führt zu befahren. Diese Strasse war nämlich gar keine Strasse mehr, es war nun ein Fluss/See. Die Strasse war um etwa 40cm überflutet. Zum Glück bin ich hier schon ein wenig ortskundig und wusste mehr oder weniger einen anderen Weg wie wir zu unserem Appartement gelangen konnten. Wir mussten am Schluss einfach über ein überflutetes Feld (= Sumpf) laufen.
Die Einheimischen nennen dies aber noch nicht Hochwasser. Das ist einfach normaler Monsunwasserstand! Hochwasser ist brusttiefes Wasser.

Die hygienischen Verhältnisse können aus meiner Sicht teilweise kaum schlimmer sein. Da die Stadt kaum eine Kanalisation kennt und viele nicht nur arme Leute ihr ”Geschäft” auf der Strasse erledigen, ist es für mich fast ein Wunder, dass hier nicht öfters Seuchen ausbrechen. Und dann sind ja da noch die vielen ”wilden” Tiere welche auch irgendwo ihr Geschäft erledigen. Selbst Wasser aus der Leitung (bzw. dass was vom Lastwagen geliefert wird) ist für mich ungeniessbar und viele hier haben nicht einmal das. Wir beziehen unser Trinkwasser in 20l-Flaschen (für ca. Fr. 1 die Flasche). In den Restaurants bin ich jeweils froh, dass ich nicht viel von der Küche zu sehen bekomme. Das was ich sah, hat mir schon mehr als gereicht.
Ich bin jedenfalls froh, dass ich bis jetzt insgesamt nur 2 Tage an Durchfall litt. Anderen Trainees ging es teilweise bedeutend schlechter. Aber nach diesem Praktikum ist mein Immunsystem wieder voll aktiv.

Mehr Sorgen macht mich im Moment aber eher unser Kühlschrank. Der hat nämlich seit nun mehr als eine Woche den Geist aufgegeben. Die Reparatur lässt einfach auf sich warten (hier in Indien wird fast alles repariert). Das Hauptproblem ist nämlich, dass dies in der Küche der einzige Platz ist der zu 100% Ungeziefersicher ist. Aber wenn das Teil nicht läuft wird es sehr warm drinnen und es beginnt zu stinken. Wir hatten jedenfalls auch schon eine Maus in der Küche erwischt. Vielen Dank an die defekten Fensterscheiben die hingegen nicht repariert werden. Ich habe jedenfalls die Löcher jetzt notdürftig zugeklebt. Mal schauen ob dies etwas nützt.

Übrigens habe ich Ende letzte Woche wieder Photos auf meine Homepage gestellt. Die Adresse ist wie immer www.zurbi.ch

Liebe Grüsse aus Indien
Reto

Posted in Indien Deutsch | 1 Comment

Preise, Armut und Essen

Im ersten Travel Report versprach ich euch vom indischen Essen zu berichten. Nun bin ich soweit, dass ich sagen kann: ”Ich kenne ein wenig die indische Küche”: Kurz gesagt, sie ist sehr ölig und sehr scharf. Die Firma offeriert zum Beispiel jeweils ein Morgenessen (während der Arbeitszeit!) aber ich verzichte jeweils dankbar. Ich weiss einfach (noch (?)) nicht wie man zum Frühstück z.B. Reis mit Chili essen kann. Da gehe ich jeweils halt nur kurz ein Tee holen und verziehe mich dann zurück an meinen Arbeitsplatz um halt im Netz Schweizerzeitungen zu lesen.
Bis auf 2 Gerichte konnte ich bisher zudem alles als geniessbar bezeichnen. Wie man ein Paan (Google –> Paan oder Betelblatt) als geniessbar bezeichnen kann bleibt mir ein Rätsel. Dafür schmeckt mir das Uttapam sehr gut. Das ist mehr oder weniger eine Indische Pizza. Der Boden besteht aus gestampftem Reis und den Belag kann man jeweils auswählen (Tomaten, Käse, Zwiebeln).
Sehr verbreitet ist auch das Roti. Es ist ein Teig der einfach als flache Scheibe im Öl frittiert wird. Dank dem Roti können die Inder sich auch meinen Namen merken. Ich habe es aufgegeben mich als Reto vorzustellen. Ich sage immer ”Rito” was einfach die englischsprachige Aussprache meines Namen ist. ”Rito” like Roti!
Fast zu allen Mahlzeiten gibt es scharfe Saucen.
Mein Magen hat auch langsam immer wie weniger Probleme mit indischem Essen. Anfangs letzte Woche hatte ich die ganze Zeit leichte Bauchkrämpfe was unter anderem auf das scharfe Essen zurückzuführen war. Nachdem ich ein indisches Allheilmittel genommen habe, war der ganze Spuk vorbei.

Da die Firma für die ich hier arbeite meine Blutgruppe wissen wollte (für den Personalausweis), musste ich halt zum City Labor um einen Test zu machen, da ich bis zu diesem Zeitpunkt nie einen gemacht habe. Zur meiner grossen Überraschung arbeitete der Arzt der mir das Blut abnahm sehr professionell und hygienisch einwandfrei. Die zweite Überraschung folgte sogleich beim bezahlen. Alles inkl. kostete dies Rp. 50 (ca. Fr. 1.30). Ich überlasse euch selber die Schätzung, wie viel dies in der CH gekostet hätte. Hier in Indien muss man sowieso sämtliche Erfahrungen was wie viel kostet vergessen. 1.5 L Cola oder ein Liter Orangensaft kostet nicht viel weniger wie ein Nachtessen in einem Restaurant. Oder anstatt 1 Rolle Toilettenpapier könnte man auch 4,5 kg Bananen kaufen!

Nicht zu übersehen ist in Indien aber die Armut. Familien die am Strassenrand in selbstgebauten Unterständen hausen, sind noch bessergestellt. Viele haben gar kein Dach über den Kopf und schlafen einfach am Strassenrand. Bauarbeiter schlafen in der Regel direkt auf der Baustelle. Als Ausländer (vor allem in Jodhpur) wird man die ganze Zeit von Bettler belagert. Ich habe hingegen aber auch schon von Einheimischen gehört, dass jeder der in Indien arbeiten will, eine Stelle findet. Ich glaube dies zwar weniger aber ich lasse es mal so stehen.

Posted in Indien Deutsch | 3 Comments

Monsun, Bürokratie, Job

Hallo zusammen

Es grenzte schlussendlich fast an ein Wunder, aber am letzten Donnerstag nahm ich tatsächlich meine Arbeit hier in Indien auf. Die Firma bei der ich arbeite macht insgesamt einen sehr professionellen Eindruck. Ihre Infrastruktur und die Tools die sie verwenden sind recht modern. Ich selber arbeite z.B. auf einem Pentium 3 mit 512MB Ram. Am meisten Freude habe ich aber an den beiden Office-Boys. Ihre Aufgabe besteht einzig und alleine darin, auf Kosten der Firma den anderen Mitarbeiter Tee, Kaffee, Wasser, Gebäck, Kekse etc. zu bringen. So etwas sollte man doch auch in der Schweiz einführen….
Meine Aufgabe in der Firma besteht darin, mit WinRunner Tests für ein anderes Programm zu schreiben. Oder anders gesagt: Ich schreibe ein Programm, welches ein anderes auf seine Richtigkeit hin testet.

Letzten Freitag reichte ich zudem mein Registrationsgesuch hier in Indien ein. Und da bekam ich wieder einmal eine Lektion in indische Bürokratie. Ich gab ihnen insgesamt 12 Blätter ab. Das ganze wäre ja nur halb so unbegreiflich, wenn dies 12 verschiedene Blätter waren. 5 waren komplett identisch und auf den restlichen 7 stand auch nicht viel anderes. Aber auch das würde ja noch gehen, wenn der grösste Teil dieser Blätter kopiert werden durfte. Nein alle Blätter mussten original sein und die meisten davon handschriftlich! –> Ich füllte rund 2h Formulare aus.

Monsun
Wie ich schon im letzten Report schrieb, setzte hier der Monsun ein. Der Regen setzt dabei innert kürzester Zeit diverse Landstriche unter Wasser. Als ich letzte Woche z.B. nach Hause laufen wollte, war einfach die ganze Strasse überflutet. Da hiess es nur noch ein. Kurze Hosen montieren, Socken abziehen und halt quer durchs (dreckige) Wasser. Zum Glück habe ich keine offenen Wunden….
Ich vernahm aber auch, dass es eigentlich noch viel mehr regnen sollte. Bis jetzt regnet es kaum jeden Tag. Früher oder später sollte es dann eigentlich jeden Tag regnen.

Zu guter Letzt noch eine Geschichte zum Thema: Die Welt ist so klein
Als ich am letzten Samstag von der Arbeit heimkam schlief jemand den ich bisher hier noch nicht gesehen habe in unserer Wohnung. Es war Hogne aus Norwegen welcher mein Lehrer beim Vorbereitungsseminar zu diesem Praktikum war (er studierte in Lausanne). Er macht auch ein Praktikum in Mumbai und kam halt uns am Wochenende besuchen. Beide wussten nicht, dass jeweils der andere auch in Indien ist!

So das wärs wieder einmal….

Liebe Grüsse
Reto

Posted in Indien Deutsch | Leave a comment

Jodhpur

So nun habe ich bereits schon die erste innerindische Reise hinter mich. Diese führte nicht wie im letzten Bericht geschrieben nach Jaipur sondern nach Jodhpur. Dieses Jodhpur liegt in Rahastan und ist rund 600km nördlich von Baroda aus entfernt (11h Reisezeit). Die Zugsreise an sich schon eine Reise wert. Da ich und Sven erst 4 Tage vor Abreise beschlossen mit den 5 anderen mitzukommen, hatte es für die Hinfahrt nur noch AirConditioned-Plätze frei und für die Rückfahrt hatten wir zwei bei der Abreise noch gar keine bestätigten Tickets. Irgendwie wird das schon noch gut klappen. Der Schlafwagen war jedenfalls für indische Verhältnisse nicht schlecht (= in Europa wäre es 3 Kl. gewesen).

In Jodhpur ist das interessanteste ohne Zweifel das Fort. So etwas habe ich bisher noch nie gesehen. Hoffentlich schaffe ich es bis heute Abend die Photos diesbezüglich heraufzuladen. Schaut einfach in den nächsten Tagen auf die Homepage.

Die Altstadt selber ist auch einen Besuch wert. Das Verkehrschaos in den schmalen Gassen war für mich sehr speziell.
Aber da war ja noch das Problem betreffend Rückreise. Am Sonntagmorgen war jedenfalls noch nichts bestätigt worden sodass wir langsam unruhig wurden. 3 h vor der Rückreise hatten wir das Glück, dass jedenfalls ein Platz bestätigt wurde. So konnten Sven und ich jedenfalls in den Zug einsteigen und siehe da, nach 3h Reisezeit sagte der Schaffner (in seinem sehr schlechtem Englisch) dass er uns sogar noch einen 2. Platz hat! Die Nacht war somit gerettet.

Morgen werde ich nun mit der Arbeit anfangen. Ich weiss zwar noch nicht wann, aber der heutige Tag ist ja noch nicht vorbei…

Auch die Geschichte mit der Malaria scheint ein gutes Ende zu haben.
Hier in Indien sind die Malariamedis rezeptpflichtig sodass ich nächste Woche in Begleitung eines Einheimischen zum Doktor gehen werde. Ich muss sowieso früher oder später dorthin, weil ich ein Ausweis für ins Freibad bekommen will. Und um diesen zu bekommen braucht es einen Gesundheitscheck bei einem Arzt und ich muss vorschwimmen gehen! It’s India. Die Bürokratie kennt teilweise keine Grenzen.

Zu guter Letzt kann ich berichten, dass ich nun auch recht sanft
schlafen kann. Ich konnte mir eine Matratze organisieren sodass ich nun recht sanft schlafen kann.

Liebe Grosse aus Indien
Reto

Posted in Indien Deutsch | Leave a comment

Gut angekommen

Hallo zusammen

Nun bin ich also in Indien. Der Flug und auch die ”hervorragenden“ Sicherheitstests am Flughafen in Bombay überstand ich ohne Probleme. Das erste grössere Problem erwartete mich dann in Baroda selber. Es war abgemacht, dass mich ein AIESECler mich abholen werde. Doch als ich dort ankam war keiner dort. Also wällte ich die Notfallnummer die mir gegeben wurde, doch dort nahm keiner ab. Dank der Mithilfe von AIESEC CH bekam ich dann die Adresse des Büros der Lokalgruppe von AIESEC (Danke Mike). Aber als ich dann alles organisiert habe (ca. 2h) kam dann im letzten Moment doch noch jemand von AIESEC. Puh, das erste Problem war gelöst.

Der erste Eindruck von Baroda war imposant. Die Strassen (sofern man die teilweise so nennen kann) werden von allen erdenklichen Lebewesen benutzt. Es stört wirklich niemanden, wenn eine Kuh, Schwein und/oder Hund mitten auf der Strasse steht! Der Fahrstil der Einheimischen ist zudem seeehr speziell. Angehalten wird nie, überholen wird dort wo es geht (links und rechts). Das wichtigste ist dabei die Hupe.

Untergebracht bin ich in einem Appartement mit im Moment 3 anderen Trainees (Deutschland, Holland, Norwegen). Ich teile mein Zimmer mit der Norwegerin. Das Bett ist nicht viel mehr als ein Holzbrett (ist kein Witz)Die  ”Amtssprache” ist aber ohne Zweifel Englisch. Ich hätte nie gedacht, dass ich innerhalb von solch kurzer Zeit so viele Fortschritte mit Englisch mache.

Bis gestern meinte ich, dass ich bis am 1. Juli mit der Arbeit beginnen werde. Doch dies verzögert sich aus diversen Gründen (ich bin Unschuldig). Das macht aber überhaupt nichts, da ich jetzt mit diversen anderen Trainees am Wochenende nach Jaipur fahren werde! Mal schauen, was mich dort erwartet.

Am Abend ging ich zum ersten Mal Indisch essen (komplettes Menü für ungerechnet Fr. 2.– (für Indische Verhältnisse sehr teuer)). Es war noch sehr speziell weil wir auch zu 17. am Tisch sassen (15 Trainees, ein dt. und ein AIESECler). Mehr zum Indischen essen folgt später.

Malaria: Bis zum gestern wollte ich eigentlich keine Prophylaxe einnehmen. Aber das hat sich geändert und zwar aus folgendem Grund: Monsunzeit. In dieser Zeit ist die Mückenplage recht ausgeprägt, so dass es Sinn macht bis Mitte September regelmässig Antimalariatabletten einzunehmen. Das Problem ist nun, dass ich nicht so viel dabei habe. Mal schauen ob ich diese auch hier in Indien bekommen, was eigentlich möglich sein sollte. Ansonsten muss ich halt etwas organisieren…

So das wärs fürs erste.

Machts gut
Reto

Posted in Indien Deutsch | Leave a comment