Monsun, Velo(-reparatur), Altstadt, daily live, 1. August

Hallo zusammen

In der Annahme, dass ihr schon lange darauf gewartet habt, schreibe ich mal wieder einen Travel Report.

Wie ich schon in den letzten Berichten geschrieben habe, hat hier der Monsun eingesetzt. Was dies konkret bedeutet, möchte ich anhand einiger Beispiele erzählen.

1. Ceylan (eine Trainee aus der Türkei) wollte am 4.8.2004 den Zug nach Dehli nehmen, weil dort einen Tag später ihr Flug nach Hause startet. Abfahrzeit 22:08. Also kamen wir kurz vor 22:00 am Bahnhof an. Wir hatten schon eine Vorahnung also fragten wir bereits kurz nach Ankunft, ob der Zug pünktlich sei. Ein Bahnarbeiter sagte uns dass der Zug 6 Stunden (!) verspätet sei. Aus diesem Grund fuhren wir also wieder zurück ins Apartment, damit wir einige Stunden später noch einmal dorthin fahren können. Ich verzichtete aber darauf, da ich am anderen Tag arbeiten musste. Jedenfalls war ich sehr erstaunt, als ich so um 5 Uhr in der Früh noch halb im Schlaf ihre Stimme im Apartment wieder hörte. Sie erzählte mir dann später, dass der Zug komplett ausfiel. Der Grund war recht einfach. Eine Brücke wurde nördlich von Mumbai weggeschwemmt. Zum Glück konnte sie den Flug und alles ohne Gebühren verschieben.
2. Es kam schon mehr als einmal vor, dass ich am Abend nicht wusste, wie ich am anderen Tag ins Büro komme. Der direkte Weg war jedenfalls komplett überflutet.
3. Feuchtigkeit = Pilze!!! Wir haben grössere Probleme im Apartment damit wir nicht überall Pilze haben. Ich habe auch schon Hosen gehabt, welche ich nach dem waschen wieder direkt zum waschen brachte. Obschon sie sofort nach dem waschen zum trocknen aufhängten waren sie eher von Pilzen befallen als sie trocken waren. Seit heute habe ich auch wieder keine Matratze mehr. Gestern Morgen um halb 5 stank sie mir definitiv zu stark. Ich stand mitten in der Nacht auf um sie in den Korridor zu werfen und mir etwas anderes einfallen zu lassen. Diese Nacht jedenfalls werde ich auf 7 Schichten von mehr oder weniger nicht übel riechenden Tücher schlafen und morgen will ich mir für ca. Fr. 5 eine neue kaufen (indischer Standard). Oder habt ihr etwa auch schon mal eine CD gesehen die von Pilzen befallen war, nur weil sie herumlag.

Dafür darf ich jetzt berichten, dass ich ab sofort per (1 Gang-) Velo die Stadt erkunden kann. Ich habe mich jedenfalls schon mehr oder weniger an den Linksverkehr gewöhnt. Leider musste ich aber mit diesem Fahrrad schon dreimal zum Mechaniker. Einmal musste ich den Sattel verstellen (die kennen hier keine Schnellspanner), ein anderes Mal hatte ich hinten einen Plattfuss und beim dritten Mal musste ich feststellen, dass beide (!) Bremsen kaum oder gar nicht mehr funktionierten. Es war jedes Mal für mich eine Lektion in indisches Handwerk. Am interessantesten war der 2. Fall. Obschon das Loch im Schlauch gerade neben dem Ventil war, wurde dieser Schlauch gleichwohl geflickt. Man sägt dabei einfach (mit einer Metallsäge) das Ventil ab und setzt es neu ein! Und natürlich wird für dies das Rad nicht abgenommen!

Letztes Wochenende war ich zudem zum ersten Mal in der Altstadt hier in Baroda. Ich habe ja schon einiges gesehen, aber so etwas wie das mit Sicherheit noch nicht. Die Altstadt ist einfach „overcrowded“, really noisy und stinkt zum Teil recht streng. Trotz allem ist es aber sehr interessant dort. Es war aber ebenfalls zum ersten Mal wo ich sagen musste, dass ich die Eindrücke überflutet wurde. Es war wirklich im Moment zu viel für mich. Ich werde aber dennoch wieder zurückgehen.

Zwei Beobachtungen möchte ich euch noch erzählen. Ich lief vorgestern wieder einmal von der Arbeit nach Hause. Es ist nämlich immer spannend zu sehen und erleben was auf der Strasse so läuft. Als ich jedenfalls bei den „Fahrenden Restaurants“ vorbei kam (Unser Lebensmittelinspektor lässt grüssen), sah ich einen Mann auf seinem Velo sitzen. Das ist ja an sich selber nichts besonderes solange er nicht die ganze Zeit in die Pedale trat, ohne dass er Fleck käme. Es war der fahrende Messerschleifer! Er trieb mit dem Hinterrad, welches durch den Veloständer in der Luft war einen Schleifstein nach dem Lenker an. So konnte er wie jeder normale Velofahrer auf dem Velo sitzen und die Messer schleifen.
Kurze Zeit später kam ich an einen Platz wo sie gerade ein Auto abschleppen wollten. Diesmal war das spezielle an der ganzen Szene das Abschleppseil. Sie nahmen dafür ein Bündel alter Velopneus (nicht Schläuche).

Und da war auch noch der 1. August. Da wir im Moment 3 Schweizer hier in Baroda sind, konnten wir auch einen Schweizerabend organisieren. Einen Abend mit Fondue, 9kg Rösti und Schweizer Schokolade. Dazu gab es Theater (Tell) gespielt von den anderen Trainees. Wir haben mit etwa 25 Personen gerechnet. Gekommen waren 35 (mit Ausnahme von 2 alle Trainees und etwa 10 Personen von AIESEC). Die Photos von diesem Anlass sind ja schon bereits lange auf dem Netz.

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