Leben nach Monsun, Farmhausparty, Mumbai und Fieber

Namaste

Zuerst mal vielen Dank für all die Rückmeldungen die ich von euch erhalte. Bitte verzeiht mir, wenn ich nicht gerade sofort antworte. Ich gebe mir primär Mühe, dass ich in einigermassen regelmässigen Abständen diese Travel Reports schreibe. Ich hatte zudem auch schon eine ca. 57(!)-Woche im Büro.

So die Pilzsaison ist nun langsam aber sicher vorbei. Wir hatten nun seit über eine Woche kein Regen mehr. Die Luftfeuchtigkeit ist bereits dramatisch zurückgegangen. Jetzt kann man auch z.B. die Türe zur Toilette wieder ganz schliessen. Sie ist nun nicht mehr verzogen. Hingegen ist die Temperatur schon wieder stark angestiegen. Aber das nehme ich gerne in hin! Die Strassen haben aber extrem unter dem Monsun gelitten. Ich hätte das nie gedacht, dass (bedingt durch den schlechten Strassenunterbau) fast jede Strasse zu einem Schlaglochpiste wurde. Seit etwa 2 Wochen ist auch ein 1min-Film von den lokalen Strassenverhältnisse (vor Monsun) auf meiner Homepage online. Ich empfehle aber, dass ihr diesen nur herunterlädt, wenn ihr einen ADSL- oder Cable-Internetanschluss habt. Ansonsten dauert das Herunterladen knapp eine Stunde.

Es ist bereits eine Weile her, als ich durch einen indischen Freund zu einer Farmhausparty eingeladen wurde (er war ebenfalls nur Gast). Das ganze fand an einem Sonntagabend statt. Eingeladen waren rund 100 Personen. 30 Bedienstete servierten und kochten für diesen „kleinen“ Anlass. Das ganze dauerte aber nicht viel länger als 3h da ja fast alle am Montag wieder arbeiten mussten. Die Vorbereitungen zu diesem Anlass (er war gar nichts spezielles zu feiern) brauchten sicher rund 10 Manntage. Das ganze fand in einem Farmhaus mit Swimmingpool, Reitstall, eng. Garten Springbrunnen etc. etwa 30min ausserhalb Baroda statt. Die sozialen Unterschiede sind hier einfach krass.

Letztes Wochenende war ich wieder einmal auf eine Reise. Diesmal ging es in die 16 Mio. Metropole Mumbai (Bombay). Ich reiste dabei zusammen mit meinen beiden WG-Mitbewohner Tonje (Norwegen) und Balazs (Ungarn). Die Reise dorthin war auch diesmal erwähnenswert. Wir kamen am Samstag um 4 Uhr in der Früh in Bandra (ein Bahnhof ausserhalb Mumbai) an. Wie geht es nun weiter? Nachdem wir den Bahnhofsaal oder besser den Bahnhofsschlafsaal durchquert hatten und wir die sicher rund 100 Rikscha- oder Taxiangebote abgelehnt hatten, mussten wir nur durch ein Slum laufen, damit wir zur Stadtbahnhaltestelle gelangen. Selbst um diese Uhrzeit mussten wir für ein Ticket anstehen. Auch die Stadtbahn, die zu dieser Zeit immer noch im ca. 10min-Takt fährt, war überfüllt! Ich will gar nicht vorstellen, wie das in der Rushhour hier aussieht. Ich habe gehört dass sie pro Tag rund 10 Mio. Passagierfahrten verzeichnet!

Am gleichen Tag unternahmen wir noch einen Bootstrip zu den Elephanta Island. Hier möchte ich gar nicht viel dazu sagen. Schaut euch einfach die Bilder auf meiner Homepage an. Historische Facts findet ihr auch hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Mumbai

Erwähnenswert war auch das Boot selber. Der Kapitän hat in seinem Führerstand keine direkte Gewalt über den ca. 8 PS-Schiffsmotor (bei ca. max. 100 Passagieren). Falls er eine Änderung des momentanen Antriebszustands will, muss er das über ein 1-Glocken-Seil-System dem Schiffsmaschinisten mitteilen. Bing-bing-bing-bing = volle Fahrt voraus oder bing–pause–bing–bing = halbe Kraft rückwärts etc. Es besteht zudem keine andere Kommunikationsmöglichkeit!

Der Sonntag war dann einfach für Sightseeing reserviert. Die Bilder (inkl. Kommentare dazu) sind ebenfalls auf der Homepage.

Kurz vor der Abreise hatte ich schon wieder eine Begegnung nach dem Motto die Welt ist doch so klein. Wir sassen in ein Café nahe einer Stadtbahnhaltestelle. Nahe am unserem Tisch sass auch noch so eine Gruppe, welche sehr international aussah, d.h. sicher nicht alle von der gleichen Nationalität sind. Da wir dachten, da sie ev. auch von AIESEC sind, gingen wir zu ihnen und fragten sie, von woher sie kommen. Es waren die AIESEC-Trainees von Pune mit wenigen Trainees von Mumbai selber. Eine davon arbeitete vor meiner Indienzeit 2 Monate bei der gleichen Firma wie ich jetzt in Baroda. Ihr gefiel es damals überhaupt nicht bei Vigorsoft. So wie es aussieht, werden wir in nächster Zeit mal nach Pune fahren….

Motivierend fand ich zudem, dass ich obwohl ich den Englisch-Dix dabei hatte, ihn das ganze Wochenende nie brauchte, obschon ich das ganze Wochenende kein Wort Deutsch sprach.

Leider hatte ich auch meine erste Krise hier in Indien. Letzten Montagabend war es mir plötzlich nicht mehr wohl und ich bekam 38.6 Grad Fieber! Zum Glück hatte ich Panadol dabei sodass ich das Fieber ein wenig herunterdrücken konnte. Jedenfalls war am Dienstagmorgen alles mehr oder weniger in Ordnung, sodass ich zur Arbeit ging. Dies änderte sich aber am Nachmittag wieder. So gegen 16 Uhr verschlechterte sich die Situation wieder. Ich merkte, dass das Fieber wieder ausbricht. Was nun? Malaria oder eine andere Tropenkrankheit? Jedenfalls entschloss ich mich krank zu schreiben und sofort einen Doktor aufzusuchen (so etwas würde ich mit diesen Symptomen in der Schweiz nie machen). Seine erste Diagnose war aber schon beruhigend. Es scheint nichts schlimmes zu sein. Der anschliessende Bluttest ergab dann ein eindeutiges Resultat. Ich habe eine bakterielle Infektion. Ich vermute, dass ich diese seit rund ein bis 2 Wochen habe, aber erst die beiden kurzen Nächte im Nachtzug schwächten den Körper genügend, sodass die Symptome sichtbar wurden. Jedenfalls weiss ich jetzt aber auch, dass meine Malariatabletten einen Malariaschutz aufgebaut haben. Dies haben sie nämlich gerade auch getestet. Die hygienischen Vorkehrungen bei der Blutentnahme waren übrigens wieder sehr gut.

Was mich eher nachdenklich stimmte, war der darauf folgende morgen. Ich rief im Büro an, dass ich krank bin und ich besser zu Hause bleibe. Eine Stunde später riefen sie mich aber wieder an und fragten mich, ob ich trotzdem zumindest für etwa 3h kommen könne. Wir müssen in 3h einen Bericht fertig haben den sie ohne meine Hilfe nicht rechtzeitig fertig kriegen. Ich arbeite doch erst seit nicht ganz 2 Monaten dort… Ich ging dann in Büro, da ich wie gesagt ja kein Fieber mehr hatte und mich einfach nur ausruhen sollte. Sogar der CEO bedankte sich anschliessend bei mir, dass ich gekommen bin und schickte mich aber nach der Abgabe des Berichtes sofort wieder nach Hause. Es ist definitiv besser so.

Positiv ist auch, dass ich seitdem gleichwohl kein Fieber mehr bekam.

Zu guter Letzt noch dies:

Hier in Indien ist Local-Wireless-Loop und Mobiltelephonie sehr verbreitet. Es ist daher schon fast normal, wenn man irgendwo ein Handy hört. Aber wenn man jetzt Jingle Bells hört fragt man sich schon was das soll. Vor allem dann wenn man mit einiger Zeit herausfindet, dass die Melodie nicht von einem Handy sondern von einem Auto kommt. Genauer gesagt: Von der Rückwärtsfahrwarnung wie wir sie in Europa bei den Lastwagen kennen (einfach nur das monotone Piepsen). Sobald sie den Rückwärtsgang einlegen, kommt die eingestellte Melodie. Auch hoch im Kurs ist die Lambada-Melodie. Offiziell wäre es verboten aber wenn kümmerts….

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